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15.11.2001

 

Sonnige, kalte, klare Spätherbst – Tage, Laub auf den Bürgersteigen. Wir bleiben meistens drinnen, wegen der „Menge Dreckskerle da draußen“, auf die William Carlos Williams damals, mit dieser matten Geste über Lower Manhatten, hinwies.

 

Ihr Mädels in Spanien: haltet euch gut fest. Soll verdammt stürmisch bei euch da unten werden. Haltet die Röcke flach, falls ihr welche tragt! Und warme Wollunterhöschen anziehen, am besten die grau – blauen Marke SCHIESSER, früher auch „Liebestöter“ genannt! Don Thomaso hat aus Solidarität angekündigt, die weiße Feinripp – Version mit „Seiteneingriff“ zu tragen.

 

Unsere Künstler sind weltläufig: erst Dunja unten in der Schweiz (hat aber nicht gejodelt, sagt sie ...), jetzt beide in Paris. Wir überlegen schon, Ludwig zu adoptieren – aber ohne Trompete!

 

Hajo hat seinen Schrott – Golf durch den TÜV gebracht. Bustra hat wieder diese sexy kurze weiße Kellner – Schürze umgebunden und kocht neuerdings jeden Sonntag deutsche Küche: letztlich Reibekuchen, davor Gänsebraten, Klöße und Rotkohl ... „lecker lecker!“ – aber nur für Denys, seine Mutter und sich selbst ...!

 

Gestern gegen die Ukraine wurde die „Ehre des deutschen Fußballs“ gerettet – hätte man nur auf Fortuna – Thomas und uns gehört, wäre es gar nicht so weit gekommen. Bustra hatte wieder ein Angebot, für 100.000 DM für Fortuna Düsseldorf zu spielen – aber er hatte das Geld leider nicht ...

 

Nachdem Bustra das gegenüber liegende Stehcafe „Sunrise“ überflüssig gemacht hat, ist nun auch das griechische Stehcafe um die Ecke geschlossen und die Restbelegschaft steht hier bei Bustra: zweite feindliche Übernahme!

 

Morgen hat jemand Geburtstag, wir denken dran!

 

16.11.2001

 

Liebe Gisela,

ganz herzliche Glückwünsche zu deinem Geburtstag! Schlamperei, dass die Blumen von Don Thomaso heute nicht bei dir angekommen sind, aber unsere Herzen sind bei dir.

Gruß an die anderen Mädels: Denkt dran, Bustra ist Spanier: er steht, allzeit bereit!

 

Unsere Künstler sind gerade wieder aus Paris zurück, blass und übernächtigt – müssen erst mal ausschlafen!

 

Draußen schwelt den ganzen Tag Kälte unterm Hochnebel. Saug- / Blasgeräte lärmen, um Blätter zusammenzusaugen bzw. –zublasen. Wir Denkenden sagen euch Handarbeitern in aller Freundschaft: Macht doch bitte nicht so brutalen Lärm – fegen z.B. wäre doch auch möglich... ?! Weiteres dazu vgl. Schopenhauer: „Über Lärm und Geräusch“.

 

Hajo schüttelt den Kopf über Walter Matern, der in Heideggers Briefkasten pisste und seinen Tripper siebenmal dadurch kurierte, dass er in eine Steckdose pisste, wonach ihn ein Stromschlag siebenmal umwarf: Das tut weh! Zur Nachahmung nicht empfohlen!

 

In der Buchhandlung BiBaBuZe in Düsseldorf – Bilk liegen die frühen Schriften von William Carlos Williams aus. Hajo sah sie, kaufte aber nicht.

 

Schröder hat seine Kanzlermehrheit knapp, aber doch bekommen. Heute sind endlich die Namen der Bodygards von Bin Laden bekannt geworden: sie heißen „Ladenhüter“!

 

19.11.2001

 

Computer – Thomas hat rechts eine dicke Hamsterbacke (Zahnentzündung). Wir wollten ihm links was auf die Backe hauen, aus Gründen der Symmetrie, aber er wollte nicht.

Na gut, dann eben nicht!

 

Einer von uns hat behauptet, er hätte den ganzen Tag in unmittelbarer Nähe einer Toilette zubringen müssen ... nun ja ...

 

Gestern haben wir Viscontis „Tod in Venedig“ gesehen und waren, auch von der Musik, beeindruckt.

 

Draußen ist es herbstlich kalt. Letzte Blätter auf dem Bürgersteig. Hoffentlich letzte lärmende Saug-/ Blasgeräte. Erstes Eis morgens auf den Windschutzscheiben, aber nur in den Außenbezirken.

 

23.11.2001

 

 

Computer – Thomas hat gestern Nacht versucht, in Kafkas „Schloss“ zu gelangen – natürlich vergeblich.

 

Bustra kann Claudius, jedenfalls wie Tacitus ihn schildert, eine gewisse Achtung nicht versagen, z.B. dass er einen britannischen Häuptling begnadigt hat.

 

Hajo ist seit vielen Grass`schen „Hundejahren“ unterwegs mit Walter Matern, der mit dem schwarzen Hund kam, um zu richten ... und dann das: nebenan vor PLUS liegt er angebunden, der schwarze Schäferhund. War es Harras? Oder Prinz, der an Materns Seite zu Pluto wurde...? Hajo konnte nicht anders, er musste den Hund so nennen, wie Walter Matern Harras nannte: ein „schwarzes, katholisches Nazischwein! Nazi! Nazi! Nazi!”  Der Hund knurrte gefährlich mit gespitzten Ohren, und Bustra musste Hajo wegzerren, der danach vergeblich bei PLUS drinnen nach Walter Matern suchte, aber nur den Filialleiter und wenige Käufer fand. Wenigstens hat Hajo den Hund nicht vergiftet, wie damals Walter Matern den Harras.

 

Triefaugen – Hans ist aus dem Krankenhaus zurück. Zwar ist die Operation gelungen, aber er ist trotzdem enttäuscht, weil sein innigster Wunsch nicht in Erfüllung ging: dass ihm eine hübsche, stämmige Krankenschwester sein „Schnüffelchen“ waschen würde, so wie damals, als er beide Arme gebrochen hatte.

Da können wir nur sagen: You can`t always get what you want!

Hermann will wieder mal bis zum Erbrechen knobeln. Er meint, er sei „voll!“ – „aber hochachtungsvoll!“ korrigiert ihn Legionärs – Herbert. 

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